Kaufland: CDU/FDP-Gruppe gibt nicht nach

Ratsmehrheit will trotz City-Center-Projekts am Kaufland-Deal festhalten / Kritik von SPD und Grüne Barsinghausen (aam). Der Appell des Familienunternehmens Widdel an die Politik, die Kaufland-Pläne noch einmal zu überdenken, scheint nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen. Die Ratsmehrheit von CDU/FDP bleibt bei ihrer Entscheidung: Der Markt kommt.

Am Freitag forderte Unternehmenschef Friedhelm Widdel in einem Brief an alle Ratsmitglieder die Entscheidungüber einen Kaufland-Markt an der Egestorfer Straße zu revidieren (DLZ berichtete). Ansonsten sei ein Vier-Millionen-Projekt zur Attraktivitätssteigerung des City-Centers in Gefahr, Investoren hätten bereits bei einer Entscheidung pro Kaufland ihren Rückzug angedeutet.

"Die FDP steht zu der Zusage, die wir Kaufland gegeben haben", unterstreicht Ratsherr Bernhard Klockow. Zwar sei esärgerlich, wenn dadurch das City-Center-Projekt scheitern würde. Die Kröte eines Kaufland-Marktes müsse allerdings zu Gunsten des Logistikzentrums geschluckt werden - Barsinghausen sei auf die Steuereinnahmen dringend angewiesen. Zudem gehöre Konkurrenz zum Geschäft, damit müsse auch Widdel umgehen können.

CDU-Gruppensprecher Gerald Schroth unterstützt diese Aussagen: "Die angekündigten Entscheidungen bleiben auf jeden Fall erhalten." Zwar werde seine Partei noch einmal das Gespräch mit dem Familienunternehmen suchen - allerdings sei die Argumentation Widdels nicht ganz nachvollziehbar. Das Unternehmen habe bereits vor Jahren etwas umsetzen können, die nun angekündigten Maßnahmen seien weder neu noch "sonderlich substanziell".

"Wie wollen Kaufland nicht", stellt der baupolitische Sprecher der SPD, Udo Mientus, fest - zumindest nicht an diesem Standort. Barsinghausen bräuchte einen Lebensmittel-Magneten direkt in der Innenstadt, die Flächen am Volkers Hof seien eine Möglichkeit. Die Marktansiedlung an der Egestorfer Straße beträfe nicht nur Widdel: "Das wäre eine verkürzte Sichtweise." Zwar wolle die SPD helfen, wo es geht - allerdings habe auch Widdel in der Vergangenheit keine Rücksicht auf kleinere Händler genommen. Das von Edeka als Frequenzbringer auch andere profitieren würden, stehe außer Frage. Allerdings könnte die SPD in dieser Hinsicht politisch nichts machen.

Christian Röver von den Grünen könnte sich eine Zusammenarbeit zwischen Widdel und Kaufland vorstellen - statt einem Edeka-Markt könne doch Kaufland ins City-Center einziehen. Allerdings bezeichnet er die Situation als "vertrackt", die Positionen hätten sich mittlerweile auf beiden Seiten verhärtet. Zudem kritisiert er die Informationspolitik Kauflands. Dass am City-Center etwas passieren muss, steht außer Frage: "Dass dieser Bereich einen Magneten braucht, da sind wir uns alle einig."

© Deister-Leine-Zeitung, 12.02.2008